Gesellschaft

Kennzahlen

Ein genauer Blick auf Migration, Kultur und Verbrechen

Die erste Ausgabe der Reihe «Panorama Gesellschaft Schweiz» befasst sich mit den Themen Migration, Integration und Partizipation. Die Kulturwirtschaftsstatistik, die umfangreiche Daten zur wirtschaftlichen Bedeutung der Kultur enthält, wurde zum ersten Mal publiziert. Was die Polizeiliche Kriminalstatistik betrifft, wird Anfang 2021 die Zeitspanne während des partiellen Lockdowns in den Frühlingsmonaten 2020 analysiert.

Panorama Gesellschaft Schweiz: Publikation zum Thema «Migration – Integration – Partizipation»

Ein zentrales Element des Themenfelds Gesellschaft bildet die neue Publikationsreihe «Panorama Gesellschaft Schweiz». Die Reihe bezweckt, Erkenntnisse zu gesellschaftspolitisch wichtigen Themen und zum gesellschaftlichen Wandel in der Schweiz einer interessierten Öffentlichkeit nahezubringen. Sie bildet die Weiterführung des bisherigen Sozialberichts. Neu ist die Trägerschaft: Es handelt sich um eine Zusammenarbeit des BFS mit den Universitäten Neuchâtel und Freiburg.

In der Ausgabe 2020 untersuchen Fachleute aus dem universitären Bereich und der öffentlichen Statistik in sieben Kapiteln ausgewählte Aspekte des Themas «Migration, Integration und Partizipation». Präsentiert werden hauptsächlich – aber nicht ausschliesslich – Forschungen über die arbeitsmarktgetriebene Zuwanderung aus EU/EFTA-Ländern.

Aus der Publikation ergibt sich, dass bei den Zugewanderten in die Schweiz beträchtliche Unterschiede hinsichtlich des Bildungshintergrunds, der beruflichen Situation, des Alters, des Migrationsstatus und der Herkunftsländer bestehen. Überdies zeigt sich, dass die Integration in den Arbeitsmarkt rasch erfolgt, aber nicht vollständig gelingt. Haushalte mit Migrationshintergrund verfügen über ein niedrigeres Einkommen und weniger Vermögen. Ein grosser Teil der Zugewanderten verlässt zudem die Schweiz wieder.

Kulturwirtschaft und Kulturverhalten

Im Rahmen der neuen Kulturwirtschaftsstatistik wurden umfangreiche Daten zur wirtschaftlichen Bedeutung der Kultur, zur Zahl der Kulturunternehmen und der Kulturschaffenden publiziert. Die Wertschöpfung des Kultursektors belief sich im Jahr 2018 auf 15,2 Milliarden Franken bzw. 2,1% des BIP. Insgesamt umfasste der Kultursektor in der Schweiz 63 639 Unternehmen. Damit gehörte etwa jedes zehnte Unternehmen zu diesem Sektor. Gesamthaft wurden in der Schweiz über 300 000 Kulturschaffende im weiteren Sinn gezählt. Gemeint sind damit alle Personen, die im Kultursektor arbeiten, unabhängig davon, ob sie einen kulturellen Beruf ausüben oder nicht, sowie Personen, die einem Kulturberuf ausserhalb des Kultursektors nachgehen. Die Kulturschaffenden sind überdurchschnittlich gut ausgebildet. Auffallend sind die starke Vertretung der Frauen und die hohe Zahl der Selbstständigen im Vergleich zur Gesamtwirtschaft.

Die Ergebnisse der alle fünf Jahre stattfindenden Erhebung zum Kulturverhalten zeigen, welch hohen Stellenwert die Kultur für die Bevölkerung kurz vor der Corona-Pandemie hatte. Über 70% der Befragten besuchten 2019 mindestens einmal ein Museum, ein Denkmal oder ein Konzert, und zwei Drittel der Bevölkerung hatten eigene kulturelle Aktivitäten als Hobby.

Häusliche Gewalt

2019 registrierte die Polizei 19 669 Straftaten häuslicher Gewalt, was im Vergleich zum Vorjahr einer Zunahme von 6,2% entspricht (+1147 Straftaten). 84% dieser Straftaten (2018: 82%) waren Tätlichkeiten (32%), Drohungen (22%), Beschimpfungen (19%) und einfache Körperverletzungen (10%). Seit 2009 sind diese Werte relativ praktisch unverändert.

Die Polizei registrierte 11 058 geschädigte Personen im Jahr 2019, was gegenüber 2018 einem leichten Anstieg von 3,7% entspricht (2018: 10 653 geschädigte Personen).

Die Hälfte der im Jahr 2019 polizeilich registrierten Straftaten häuslicher Gewalt erfolgten in Paarbeziehungen bzw. 28% in ehemaligen Paarbeziehungen. Der Frauenanteil bei den in einer bestehenden oder aufgelösten Paarbeziehung geschädigten Personen belief sich auf 76% bzw. 79%. Die Verteilung innerhalb von (ehemaligen) Partnerschaften ist seit 2009 relativ stabil.

Im Jahr 2019 wurden im häuslichen Bereich 29 vollendete Tötungsdelikte registriert (2018: 27), dies entspricht knapp zwei Drittel aller polizeilich registrierten vollendeten Tötungsdelikte in der Schweiz (Total: 46). Von diesen 29 Tötungsdelikten ereigneten sich 15 in einer Partnerschaft, bei welchen 14 Frauen und ein Mann getötet wurden. Dies bedeutet, dass rund alle vier Wochen eine Frau innerhalb einer Partnerschaft getötet wird.

Im März 2021 wird eine Spezialanalyse zu den während des partiellen Lockdowns im Frühling 2020 polizeilich registrierten Straftaten, insbesondere im häuslichen Bereich, veröffentlicht.

Modernisierungsprojekt

Die erste Phase des Modernisierungsprojekts der Sektion Kriminalität im Bereich Strafvollzug wurde abgeschlossen. Sie bestand in der Erarbeitung einer neuen Applikation für die Datenerfassung und in der Vereinfachung der Statistikproduktion.
Im März 2021 werden im Rahmen der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) erstmals Ergebnisse zur digitalen Kriminalität veröffentlicht. Die entsprechenden Methoden und das Diffusionskonzept wurden von allen betroffenen Akteuren genehmigt. Im gleichen Monat erscheint eine Spezialanalyse zum Datum der polizeilich registrierten Straftaten häuslicher Gewalt während des partiellen Lockdowns 2020 im Rahmen der Covid-19-Pandemie.